Lotterien und anderes………und tschüss!

 

Sie kennen das bestimmt auch. Man sitzt gerade gemütlich in einem Sessel und lässt es sich gut gehen, und plötzlich läutet das Telefon. Jemand mit unterdrückter Rufnummer möchte Sie erreichen. Wenn Sie nicht abheben, dann läutet es unter Umständen den ganzen Tag im 10 Minuten Takt. Wenn Sie abheben gibt sich ihr Gegenüber als Mitarbeiter irgendeiner Lotteriestelle zu erkennen und verspricht Ihnen das Blaue vom Himmel, wenn Sie bei der nächsten Ziehung mitmachen. Für fast Nichts haben Sie jetzt die Change Alles zu gewinnen. Wer wollte das nicht!

Ich hatte mich ein einziges Mal verleiten lassen, bei so was mitzumachen. Natürlich hatte ich dann nach einem Jahr noch immer nichts gewonnen. Dafür musste ich aber feststellen, das ich immer mehr solche Anrufe bekam. Sie wurden zeitweise zu einer richtigen Plage, diese Anrufe. 20 – 30 Anrufe in einer Woche konnten es durchaus sein. Mit der Zeit blieb es aber nicht nur bei Lotterieangeboten, nein es kamen dann auch noch Anrufe von vielen anderen Firmen dazu. Es wurde mir immer seltsamer zu Mute, denn irgendwie schien da sogar ein Zusammenhang zu bestehen, zwischen der Länge in Minuten die ich so mit einem Gesprächspartner verbrachte und der Häufigkeit der Anrufe.

Ich rechnete mir aus, dass mir durch solche Anrufe in einem Jahr mindestens 52 Stunden meiner wertvollen Lebenszeit gestohlen worden sind. Das ist mehr als die meisten in einer Woche arbeiten.

Dann beschloss ich, etwas dagegen zu unternehmen. Für´s Erste begann ich damit, dem Anrufer zu kontern, dass solche Anrufe ja per Gesetz eigentlich verboten seien. Ich erlebte es dann des Öfteren, dass der Anrufer mir den Hörer einfach hin knallte, mich einfach wegdrückte. Aber die Anrufe wurden trotzdem nicht weniger.

Erst nach langem Zögern, erlaubte ich mir dann schließlich, ohne Begründung, sofort wieder aufzulegen, wann immer der Anrufer in so eine Kategorie fiel, Das war Anfangs nicht leicht, wenn man ein höflicher Mensch ist, dann knallt man nicht einfach so ohne Weiteres, jemand anderem den Hörer hin. Aber es musste nun mal sein. Es dauerte seine Zeit, sicher über ein halbes Jahr, bis die Anrufe weniger wurden. Aber sie wurden tatsächlich weniger und heute kann ich sagen dass ich nur noch alle paar Monate so einen Anruf kriege, abgesehen von denen mit unterdrückter Rufnummer, die ich sowieso nicht abhebe

Wie das tatsächlich zu geht, bei diesen Firmen, darüber kann ich natürlich nur mutmaßen, aber für mich deutet momentan alles darauf hin, dass sich das im Zeitalter der flächendeckenden Überwachung und Speicherung unserer Daten, etwa wie folgt verhalten muss:

Sie erhalten einen ersten Anruf. Ein Zufallsgenerator hat einfach ihre Nummer ausgewählt.

Wenn Sie jetzt nicht abheben, nervt ein automatischer Dialer Sie solange bis sie abheben werden.

Nach diesem ersten Anruf hat man schon ein File von Ihnen als potentiellem Kunden, angelegt und ihre Telefonnummer könnte bereits in einer Datenbank gespeichert sein, je nachdem wie sie sich verhalten haben.

Der zweite Eintrag könnte dann lauten: Kunde antwortet, dritter: Kunde hat x Minuten Rede und Antwort gestanden, vierter: Kunde lässt sich leicht überzeugen, funfter: Kunde reagiert besser auf Frauenstimmen, sechster: Kunde ist damit einverstanden wenn das Gespräch aufgezeichnet wird,. Keine Ahnung, wie viele Einträge über Sie, so gemacht werden, sicher ist nur, dass jedes Wort das Sie sagen, ihrem Gegenüber mehr über sie verrät und somit die Datenbank mit noch mehr Daten über Sie angefüllt wird.

Sicher ist auch, dass es spätesten jetzt mit Ihrem Frieden vorbei ist, und zwar solange, bis Sie gelernt haben, dass man einen Telefonhörer auch einfach ohne Begründung auflegen kann.

Man wird Sie solange mürbe machen, bis Sie bei irgend was mitmachen werden, und danach kriegen sie nur noch einen weiteren Eintrag in ihrer Datenbank: Kunde hat schon mal gekauft. Dieser Eintrag ist für die Firmen Gold wert denn schließlich kann man ja auch nur mit Datenverkauf viel Geld verdienen. Die so über Sie gesammelten Daten werden selbstverständlich auch weiter verkauft und eine Liste von Kunden die kauf willig sind, ist heute sehr viel wert.

Da kommen Sie, wenn überhaupt, nur dann wieder raus, wenn Sie Ihre ganze Höflichkeit und all das, was man Sie als Kind gelehrt hat, über Bord werfen. Bei solchen Methoden muss man rigoros und knallhart reagieren, und ohne ein Wort zu sagen, einfach auflegen.

Zwei Worte könnten Sie sich vielleicht noch ungestraft leisten, wobei ich diese jetzt nicht als Worte verstehe, sondern vielmehr als so etwas wie eine Art Kampfschrei. Ninjakämpfer pflegen ja auch kurz vor der Action einen lauten Schrei auszustoßen. Meiner lautet: … und tschüss!

Das sage ich in dem Moment wo ich mir bewusst werde, dass am anderen Ende der Leitung wieder nur jemand sitzt, der mir was verkaufen will.

Seit den ersten Anrufen sind nun schon an die zehn Jahre vergangen, und ich dachte bis heute, dass ich eigentlich mit diesem Thema abgeschlossen hätte, aber da machte ich den großen Fehler, doch wieder einmal einen Anruf entgegen zunehmen bei dem die Rufnummer unterdrückt war. Raten Sie mal, wer dran war? Irgendeine Landeslotterie! Die Frauenstimme klang schon etwas älter,  was mich besänftigte und ich dachte mir,  jetzt engagieren sie schon Pensionisten für diesen undankbaren Job, und schon ging das Gerede los. Ich machte den zweiten großen Fehler, sie als Mensch zu behandeln und mit ihr zu sprechen.  Ich sagte dass ihre Firma einem großen Irrtum unterliege, wenn sie glaube dass Geld glücklich mache und dass man mit viel Geld nur die einen Sorgen gegen andere austauschen würde.
Darauf hin wurde ich dann von ihr fast angeschrien und beleidigt bis ich schließlich  doch noch die Notbremse zog und mit meinem Kampfschrei,
und tschüss das ganze beendete.
Sicher kommen nun gleich wieder mehr Anrufe rein.
Ich weiß nicht wie viel Arbeit mich dieser Fehler jetzt wieder kosten wird und wie lange es dann wieder dauert, bis sie mich in eine Datenbank verschieben, wo man die hoffnungslosen Fälle hingibt, aber ich weiß eines genau, bei solchen Leuten hilft nur eines,    …….und tschüss!

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